Bogenschießen

Vor dem ersten Schuss

Los geht’s!

Wer sich einen Bogen gekauft hat, kann es normalerweise kaum erwarten, die ersten Probeschüsse abzugeben. Vielleicht hat derjenige schon die Tips aus dem Artikel Bogenset für Einsteiger gelesen und konnte dadurch einen passenden Bogen mit Zubehör für sich finden.

Macht man bereits am Anfang einen sehr elementaren Fehler, kann das die Zerstörung der Ausrüstung zur Folge haben. Das ist nicht sehr wahrscheinlich und man muss sich dabei schon etwas ungeschickt anstellen, damit es wirklich soweit kommt. Dennoch: Es kann nie schaden, sich vor der ersten Inbetriebnahme eines Gerätes – welcher Art auch immer – ein wenig darüber zu informieren.

Montieren eines Takedowns

Die Einzelteile

 

Einzelteile eines Takedown-Bogens und Pfeil

Takedown ist ein Oberbegriff für demontierbare Bögen. Im Allgemeinen handelt es sich dabei um dreiteilige Recurve-Bögen, die aus zwei Wurfarmen und einem Mittelstück bestehen. Seltener sind auch Langbögen als Takedown vefügbar, die im Griff getrennt werden. Meist bestehen diese aus 2 Teilen. Da Einsteigerbögen eher Recurves sind und ein erfahrener Schütze bereits weiß wie ein Bogen zusammengesetzt wird, wird hier nur auf den Zusammenbau von Recurve-Takedowns eingegangen. Das Bild zeigt von unten: Sehne, Mittelstück, unteren Wurfarm, oberen Wurfarm, Pfeil.

Die beiden Wurfarme werden entweder mit Schrauben oder per Stecksystem am Mittelstück befestigt. Geschraubte Wurfarme haben den Vorteil, dass sie auch ohne aufgespannte Sehne halten. Gesteckte Wurfarme fallen ab, wenn keine Sehne aufgespannt ist. Die günstigen und guten Anfängerbögen sind mit einem Schraubsystem versehen.

Den unteren Wurfarm erkennt man daran, dass er mit dem Zuggewicht beschriftet ist. Auf dem Bild ist das gut zu erkennen. Die Beschriftung ist bei korrekt gehaltenem Bogen lesbar. Normalerweise weist der obere Wurfarm keinerlei Beschriftung auf. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass der Markenname dort aufgedruckt ist. Die Unterscheidung der Wurfarme ist von Bedeutung, da sie im Normalfall nicht gleich stark sind. Üblicherweise ist der untere etwas stärker. Die Oberseite des Mittelstücks zeigt im Bild nach links.

Die Wurfarme montieren

Zu beachten ist, dass die Wurfarme im nicht gespannten Zustand vom Schützen weg zeigen. Für jemanden der einen Recurve-Bogen zum ersten mal sieht, ist das nicht unbedingt intuitiv zu erkennen. Zumal einige futuristische und martialisch anmutende Hollywood-Filmbögen aussehen wie ein falschherum aufgespannter Recurvebogen.

Wenn der Bogen so aussieht wie im Bild links zu erkennen, ist er vermutlich korrekt zusammengesetzt. Die Schrauben der Wurfarme sollten nur handfest angezogen werden. Bei den Einsteigermodellen werden oftmals Kunststoffbuchsen verwendet, in denen die Schrauben sich zentrieren. Bei zu stark angezogenen Schrauben können diese Buchsen beschädigt werden. Die Schrauben sollten so fest sein, dass die Wurfarme nicht schlackern.


Die Sehne montieren

Die Sehne eines Bogens ist das empfindlichste und das stabilste Element zugleich. Bereits geringe Beschädigungen können eine Sehne zum Brechen bringen, andererseits hält sie im Moment eines Schusses extremen Belastungen stand. Sehnen für den Sportschützen werden im wesentlichen aus 2 Materialien hergestellt: Dacron und Fastflight. Auf die einzelnen Sehnentypen wird im Post Eine Bogensehne bauen noch näher eingegangen. Hier soll ein kurzer Überblick genügen.

Da für den Spaß an den ersten Schüssen auch die Einstellung der Sehne stimmen muss, wird inm Folgenden darauf eingegangen, wo der Nockpunkt sitzen sollte und wie lang die Sehne eingestellt werden muss. Eine grob falsch abgestimmte Sehne sorgt schnell für Frust und ist in den meisten Fällen einfach vermeidbar.

Die Dacron 50 Sehne

Das wohl bekannteste und traditionellste Material für eine Bogensehne ist Dacron 50. Seinen Namen erhält es aus der Tatsache, dass ein Strang dieses Materials eine Bruchlast von 50 lbs auffweist. Dacron ist sehr robust, verschleißarm und schont durch seine relativ hohe Elastizität den Bogen. Ein Nachteil besteht darin, dass es relativ schwer ist und daher selbst viel Energie aufnimmt, die dadurch nicht auf das Geschoss übertragen werden kann.

Zum spannen der Sehne ist es hilfreich, wenn eines der Sehnenohren größer ist, als das andere. Dieses größere Ohr ist üblicherweise das obere. Bei der abgebildeten Sehne ist das obere Sehenohr zudem mit rotem Garn gewickelt, sodass es eindeutig zu erkennen ist. Die Sehne richtig herum aufzuspannen ist von Bedeutung, da andernfalls der Nockpunkt nicht an der richtigen Stelle sitzt.

Die Fastflight Sehne

Fastflight ist ursprünglich ein Markenname und wird mittlerweile als Synonym für alles verwendet, was nicht Dacron entspricht. Die Vorteile liegen in einer dünneren und leichteren Bauweise, was mehr Energie für den Pfeil bedeutet. Gleichzeitig nimmt auch der Bogen mehr Energie auf und muss daher größeren Belastungen standhalten. Ein Bogen ohne Verstärkungen an den Sehnenkerben kann zudem durch das dünnere Sehnematerial eingeschnitten werden und auf diese Weise Schaden nehmen.

Die Länge der Sehne

Sehne auf der FALSCHEN Seite – niemals spannen!

Die Sehne sollte schon auf den Bogen abgestimmt sein und in etwa die korrekte Länge aufweisen. Man kann eine Sehne etwas kürzen, indem man sie verdrillt. Oft wird dieser Vorgang eindrehen genannt. Ein moderater Drill hat den Vorteil, dass die einzelnen Stränge der Sehne gut miteinander verbunden sind und während des Schusses nicht auffächern können. Ein zu starker Drill sorgt dafür, dass die Sehne unnötig dick wird und sich im abgespannten Zustand verdreht und Schlaufen wirft. Eine eingedrehte Sehne kann verlängert werden, indem etwas Drehung herausgenommen wird. Aus der Länge der Sehne ergibt sich direkt die Standhöhe.

Nach meiner Erfahrung hat die Sehne für den Anfänger die korrekte Länge, wenn sie auf der falschen Seite des Bogen nur leicht durchhängt. Auf keinen Fall darf ein Bogen so wie im Bild links mit einer Sehne versehen werden, die unter Spannung steht! Die Wurfarme sind nicht für eine Belastung in diese Richtung konstruiert und die Aufnahmen an den Verschraubungen würden sofort brechen!

Das erste Aufspannen

Ist die Länge der Sehne kontrolliert und für gut befunden, kann sie auf den Bogen aufgespannt werden. Dazu verwendet man idealerweise eine Spannschnur. Mit etwas Erfahrung und Übung kann man auch ohne Hilfsmittel spannen. Im Netz gibt es dazu haufenweise Anleitungen. Das Problem daran ist, dass der Anfänger ohne Übung und ohne ein Gefühl dafür, was der Bogen verträgt und was nicht, den Bogen leicht über das erträgliche hinaus belasten könnte. Als Anfänger sollte man also Abstand von der Durchsteigemethode, der Wandmethode und allen weiteren Methoden ohne Spannschnur nehmen. Ein erfahrener Bogenschütze hat meist so viel Geld und Mühe in sein Material gesteckt, dass er ohnehin niemals auf die Idee kommen würde sein Sportgerät dieses Methoden auszuseten.

Eine Spannschnur wie im Bild zu sehen kostet um die 5€.

Aufspannen mit der Spannschnur

 

Zuerst wird das größere der Ohren über den oberen Wurfarm geschoben. Dann wird das untere Ohr aufgelegt und durch die Kerbe im Wurfarm geführt. Anschließend wird die Tasche der Spannschnur darübergeschoben. Die Tasche sollte so eng sein, dass die Sehne nicht aus den Sehnenkerben rutschen kann.

Das andere Ende der Spannschnur, eine Lasche, wird über den oberen Wurfarm und über die dort schon befindliche Sehne geschoben. Das fertige Resultat sollte so aussehen wie im vorletzen Bild. Beim Vorgangs des Spannens selbst, kann die Lasche mit dem Daumen etwas festgehalten werden. Das verhindert, dass sie Richtung Bogenmitte rutscht und dadurch das Spannen nicht funktioniert.

Der Bogen wird nun in die Hand genommen und waagerecht gehalten, so dass die Spannschnur locker herunterhängt.  Anschließend steigt man mit einem oder zwei Füßen hinein und zieht den Bogen nach oben. Die Sehne kann auf der Oberseite einfach eingehängt werden.

Anschließend vorsichtig die Spannung der Sehne erhöhen, indem die der Spannschnur reduziert wird. Sollte sich dabei die Sehne von den Nocken lösen, kann der Bogen einfach wieder nach oben gezogen und der Sitz korrigiert werden.

Wenn die Spannschnur vom Bogen genommen wurde, sollte man den korrekten Sitz der Sehne überprüfen. Dazu schaut man von hinten und von der Seite auf die Nocke. Wenn die Sehne nicht korrekt sitzt, kann sie abrutschen, sodass der Bogen sich schlagartig entspannt. Wenn man den Sitz dabei von vorn geprüft hat, steht der Bogenbewegung während seiner Entspannung die Nase oder ein anderer Teil des Gesichts im Weg. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass das sehr unangenehm ist.

Die Standhöhe

Jeder Bogen ist auf eine bestimmte Sehnenlänge optimiert. Aus dieser Länge ergibt sich die sogenannte Standhöhe. Sie bezeichnet der Abstand der Sehne vom Griffstück des Bogens, gemessen von der Stelle, wo der Handballen aufliegt. Bei den meisten Bögen liegt sie zwischen 7 und 8 Zoll. Im Bogensport wird allgemein üblich in Zoll gemessen und ich glaube, dass das auch daran liegt, dass sich die Angaben auf cm gar nicht machen lassen. Es kommt in den meisten Fällen auf ein Zoll nicht an.

Als Faustregel kann man sagen, dass eine niedrigere Standhöhe einen schnelleren Pfeil zur Foge hat, jedoch größere Anforderungen an die Technik des Schützen stellt. Ein schlecht gelöster Pfeil bei niedriger Standhöhe weicht deutlich weiter ab als bei hoher Standhöhe.

Den größten Einfluss auf die optimale Standhöhe hat der persönliche Geschmack des Schützen und an zweiter Stelle der Spine der verwendeten Pfeile. Am Anfang empfiehlt sich eine relativ große Standhöhe um 8 Zoll, Anschließend kann man bei sich entwickelnder Technik des Schützen weitersehen.

Um die Standhöhe zu verstellen wird die Sehne eingedreht. Sie wird also von den Sehnenkerben genommen und weiter verdrillt, so dass sie kürzer wird und die Standhöhe steigt. In gewissem Maß kann man die Standhöhe auf diese Weise auch senken. Mehr als parallel können die Stränge natürlich nicht liegen. Bei gespleisten Sehnen ist das schon zu viel. Die Technik des eindrehens hat Grenzen. Wenn die Sehne im nicht aufgespannten Zustand Schlingen wirft, ist sie meistens zu weit eingedreht. Ist sie dennoch zu lang, ist es die falsche Länge für den Bogen. Gerade bei den großen Anbietern ist das im Auslieferungszustand keine Seltenheit.

Die Stelle, an der der Pfeil auf die Sehne gesetzt wird, wird durch den Nockpunkt markiert. Dieser kann aus Messing oder einer Wicklung bestehen und sollte sich etwa 1cm über der Stelle befinden, an der der Pfeil einen rechten Winkel ergibt. Grundsätzlich ist ein zu hoch eingestellter Nockpunkt fehlerverzeihender als ein zu niedrig eingestellter.

Spleiss oder Endlos

Bei der Methode eine sehne herzustellen gibt es im Wesentlichen 2 Möglichkeiten. Den Spleiss- und die Endlossehne. Die Details werden in einem anderen Post behandelt. Grob lässt sich sagen: Die gespleisste Sehne besteht aus verdrillten Einzelsträngen, die so lang sind wie die Sehne und durch den Drill zusammenhalten. Die Endlossehne besteht aus einem durchgehenden Strang, der mehrmals umwickelt wird.

Anmerkung zum Thema Spannmethoden

Zum Spannen der Sehne gibt es viele Möglichkeiten, die alle mehr oder weniger gut funktionieren. In Zukunft wird es hier Posts zu den einzelnen Methoden geben, die das Aufspannen der Sehne näher erläutern. Soviel vorweg: Von allen Methoden ist die Spannschnur die sicherste und am besten geeignete. Gerade für den Anfänger trifft das zu, weil er den Bogen mit einer der vielen anderen Methoden sicherlich irgendwann einmal verdreht und damit irreparabel beschädigt. Wahrscheinlich eher früher als später. Ein erfahrener Schütze hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass der Bogen nicht beschädigt wird, verfügt aber im Allgemeinen auch über teurere Ausrüstung, deren Beschädigung umso ärgerlicher ist. Auch wenn man die Methoden noch so sorgfältig und erfahren durchführt, belasten sie das Material mit hoher Sicherheit mehr als die Methode mit der Spannschnur.

Ich selbst hatte das Vergnügen, dass mir auf einem Turnier ein erfahrener Schütze geholfen hat meinen Bogen mit der Durchsteigemethode zu spannen. Es ging sehr schnell und der Bogen war im Anschluss daran unbrauchbar. Die Sehne rutscht seither bei jedem Schuss aus der Führung und droht vom Bogen zu springen.

Fazit: Eine Spannschnur für um die 5 Euro ist eine lohnende Investition in die Lebensdauer unseres Sportgerätes. Ihre Bedienung ist unkompliziert und wird in einem Folgepost erklärt.